Bevor man sich entschließt Schiedsrichter zu werden...
... ein paar Zeilen aus Hans Gieseckes Buch "Das Schiedsrichter 1 x 1 im Tischtennis".
Es wäre gewiss unsinnig zu behaupten, der Schiedsrichter wäre die wichtigste Person bei einem Tischtenniskampf – genauso unsinnig allerdings wie die Annahme, er wäre überflüssig. Heute kommt keine Sportart mehr ohne einen "Unparteiischen" aus, mag er nun Kampf-, Ring- oder Schiedsrichter heißen.
Gerade der Tischtennissport, der lange um seine Anerkennung durch die breite Öffentlichkeit zu kämpfen hatte, braucht besonders ausgebildete, umsichtige Schiedsrichter. Zwar ist noch in weiten Kreisen die Ansicht verbreitet, um ein Tischtennisspiel zu leiten, genügt es notfalls, bis 11 zählen zu können.
Doch gehört zu einem guten Tischtennisschiedsrichter wesentlich mehr. Er soll nicht nur "Richter" für die beteiligten Spieler sein und dabei achten, dass keiner der vielen möglichen Regelverstöße ungeahndet bleibt, er soll auch Vermittler zwischen Spielern, Betreuern, Turnierleitung und Zuschauern sein.
Er soll den Tischtenniswettkampf gut präsentieren, also dem Publikum die genaue Verfolgung des Spielverlaufes ermöglichen und durch seine Art der Spielleitung dem Tischtennissport schlechthin Ehre machen.
Ausbildung
Die Ausbildung erfolgt in mehreren Stufen. Jährlich findet in jedem Bundesland ein Kurs mit abschließender Prüfung zum Landesschiedsrichter statt.
Nach einer zweijährigen Übungszeit, in der bei regionalen Einsätzen Erfahrungen gesammelt werden, besteht dann die Möglichkeit mittels ÖTTV-Fortbildung zur nationalen Schiedsrichterprüfung anzutreten.
Nach weiteren drei Jahren auf Bundesebene kann eine internationale Karriere angestrebt werden(White Badge).
Die höchste Qualifikationsstufe hat man schließlich als Blue Badge Umpire erreicht, dann zählt man zu dem erlauchten Kreis von derzeit weltweit über 200 Schiedsrichtern.
Schiedsrichterwesen
Dieser Beitrag ist die Übersetzung eines Programms der Vorsitzenden des Schiedsrichter- und Oberschiedsrichter Komitees (Umpires and Referees Committee, URC) der ITTF, Mrs. Cindy LEUNG, und gibt einen Überblick über die „Karriere-Chancen“ für Internationale Schiedsrichter.
Blue Badge Programm 2005:
Seit dem Beginn der Prüfungen zum Internationalen Schiedsrichter (International Umpire, IU) im Jahr 1973 haben über 3.000 IUs diese Prüfung bei der ITTF erfolgreich abgelegt. Damit wurde ein Minimalstandard für Schiedsrichter aller Verbände festgelegt, die unterschiedliche Ausbildungs- bzw. Schulungsmethoden ohne einheitliche Leistungsstandards anwenden. Seit 2002 hat das Umpires and Referees Committee (URC) der ITTF einen wichtigen Schritt zur Erreichung eines seiner Hauptziele gesetzt, „den Standard und die Einheitlichkeit von Schiedsrichtern aller Verbände anzuheben und anzugleichen“. Dies wurde durch die Einführung zweier Ebenen für die Qualifizierung von IUs erreicht, die durch Farben ausgedrückt werden, nämlich das „White Badge“ und das „Blue Badge“ (eventuell gibt es in Zukunft noch eine weitere Ebene, das „Green Badge“). Diese Badges existieren nur dem Namen nach und auf dem Papier, IUs werden nach wie vor die von der ITTF vergebenen kupferfarbigen Pins tragen.
Schiedsrichter-Ebenen:
White Badge: Alle derzeitigen IUs werden als für das White Badge qualifiziert betrachtet. Das URC wird Trainingsmöglichkeiten entwickeln und eventuell auch das Prüfungsverfahren ändern bzw. anpassen. In naher Zukunft wird es zusätzliche Bedingungen, wie z. B. ausgezeichnete Regelkenntnis etc. geben, um den aktiven Status aufrecht zu halten.
Blue Badge: IUs mit ausgezeichneten Leistungen können sich, sofern sie es wollen, für das Blue Badge qualifizieren.
Wie? Hauptanforderungen: Aktiver IU White Badge seit mindestens zwei Jahren, Übereinstimmung mit den URC-Richtlinien bzgl. Verhalten und den zukünftigen Bekleidungsvorschriften, Besuch des Fortgeschrittenen Schiedsrichter Seminars/Trainings, positives Ergebnis der schriftlichen Prüfung bei diesem Seminar/Training, mindestens vier persönliche Evaluierungen bei Schiedsrichtereinsätzen mit „entspricht den Erwartungen“ in jeder der festgelegten Kategorien (bei mindestens zwei verschiedenen Veranstaltungen durch mindestens drei Evaluatoren), Bestehen eines Interviews in Englisch, um die Fähigkeit, mit Spielern und Offiziellen während Turnieren kommunizieren zu können, nachzuweisen.
Die schriftliche Prüfung besteht aus 60 multiple-choice Fragen, von denen 15 nur in Englisch, die anderen 45 nun auch in 8 anderen Sprachen verfügbar sind: Französisch, Deutsch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Arabisch. Dies dient einerseits der Sicherstellung, dass Kandidaten über ein profundes Verständnis der Regeln und Bestimmungen, sowie andererseits über ausreichende Englischkenntnisse verfügen, die bei größeren ITTF-Veranstaltungen erforderlich sind.
Details zu diesem Programm finden sich im ITTF Handbook for Match Officials (Appendix C – Qualifikationen für Schiedsrichter).